Kurzprosa

Morgen ist auch Tag

Jeden Morgen mit den Lidern gen Osten. Den Laden weit offen. Auf die Verlegene warten. Dem Schein nach. Mit Rosenfingern weist sie den Weg. Ihrem Bruder leuchtendes Beispiel. Auffallend die Augen. Meine. Sobald sie erscheint. Ihre Liebe, sagen sie, ihre Liebe zu jungen Männern errötet den Himmel. Sie weiß es besser. Weint schamlos den Tau. Ist mir schon immer die Liebste gewesen. Von den Titanenkindern. Wie überhaupt alle Übergänge. Schon immer.

Um Aufenthalt ansuchen. Für die Übergänge. Die scheinbaren Orte. Die wechselnden Lichtverhältnisse. Wenn er graut, der Morgen. Dieses Grauen, in dem sich kein Schrecken findet, nur eine Vielzahl von Farben, auch Rot.

Dämmerungsphasen. Im Tageszeitentransit kein Zelt aufschlagen. Unbedacht auf die Gleichzeitigkeit hoffen. Letzte Sterne. Den Moment verpassen, der eine Gegend ist. Übergangsweise. Hellsichtig.

 

Oder auch aus dem Traum steigen. Übertreten wie Gas zu Fest.

 

Schon als Kind aus dem Stockbett gesprungen. In den Tag hinein. Und auch jetzt wie auf einen Perron. Wie aus dem Zug auf den Bahnsteig. Und der Tag immer schon da. Zum Abholen bereit. Hält kein Schild hoch. Wir kennen uns. Kein Aufhebens. Umarmungen oder Küsse. Nimmt mir die Koffer ab. Manchmal. Die von der Nacht. Schließ sie ein, sagt er. Zuvorkommend. Wie ich. Den Weckern und ihren Geweckten. Den Vögeln. Den Spuren auf nachtgefallenem Schnee. Vor der Türe stehen, bis eine sie aufschließt. Schon wieder die Erste.

Es nicht laut sagen. Kaum trauen, es laut zu sagen. Der Bettflucht verdächtig auf Gold herumkauen. Ihn aber loben wollen. Wieso bis zum Abend warten. Ihn loben, bevor es zu spät ist. Schon die Sirenen von anderer Leute Unglück. Glück vielleicht. Schon die ersten Geschäftigkeiten. Brechen herein. 

 

Etwas anfangen können. Mit dem Morgen. Irgendetwas. Oder.

 

Schon immer dankbar gewesen. Fürs Aufwachen. Fürs nicht im Schlaf gestorben sein. Noch nie gewünscht im Schlaf zu sterben. Danke für diesen. So aufgewachsen. So eingesungen. Mit Frühtau zwischen den Wimpern ins Licht der Welt. Wo Herrgottsfrühe eine unchristliche Zeit. Wo kein Kind nach dem Hahn kräht. Die Engel verschlafen den Tod. In den Morgen hineingewachsen wie Mondscheinblumen. Den Kopf. Mit der Erde ins Licht gedreht. Das einfällt wie eine Erinnerung. Rötlich.